Was mich aktuell beschäftigt

Rückblick: Hallo.Digital

Fast 2 Monate sind seit hallo.digital in Karlsruhe vergangen. Ich habe viel über die Veranstaltung nachgedacht und mir in der Zwischenzeit das Feedback einiger Speaker angesehen. Nun gebe ich meinen Senf zur Frage „Alles Digital oder was?“ dazu.

Vorweggenommes Fazit: Tolles Event, super Networking und viele offene Fragen

Man muss den Machern von hallo.digital Lob aussprechen: Eine Konferenz, bei der im ersten Anlauf über 200 Teilnehmer vor Ort sind, ist nicht einfach zu organisieren. Man kann über die Auswahl des Essens und das Volumen diskutieren. Tatsächlich sind dies bei mir lediglich Begleiterscheinungen bei einem solchen Event. Mir geht es eher um Fachliches. Deshalb gibt es meine drei Kernaussagen vorweg:

  1. Ein Event lebt von seinen Machern: Wer wissen möchte, wie man ein guter Gastgeber wird, kann zu den Veranstaltern von hallo.digital schauen. Jederzeit waren alle bemüht um Gäste wie Speaker. Neben fortlaufenden Rückfragen zum Event waren überall Ansprechpartner zu sehen. Klappte mal etwas nicht, wurde das umgehend gefixt (DANKE für das tolle Plakat.)
  2. Ein Event lebt vom Networking: Ebenso wichtig für die Athmosphäre eines Events ist das Networking. Offener, fröhlicher und gleichzeitig unverbindlicher bin ich selten auf Veranstaltungen ins Gespräch gekommen. Es war spannend, abwechslungsreich und zugleich auch sehr unterhaltsam.
  3. To be continued: Ich hoffe, dass das Event wiederholt wird. Die Qualität dazu besitzt es und auch die aperspektive, daraus ein mehrtägiges Event beispielsweise mit spannenden Workshops zu machen.

Ich habe mich sehr gefreut in diesem Jahr als Speaker dabei zu sein und hoffe auch kommendes Jahr wieder vor Ort sein zu dürfen. Wieso ich mir das wünsche, erkläre ich in meiner fachlichen Zusammenfassung zum Event:

Alles digital oder was?

Eine Frage hat mich in den vergangenen Tagen so beschäftigt, dass es mir schwer fiel, mein Feedback in Worte zu fassen. Deshalb konzentriere ich mich nachstehend auf drei Aspekte, die mich besonders beschäftigt haben. Hallo.Digital hat sich auf die Fahne geschrieben, eine Fachkonferenz zur Digitalisierung zu sein. In der Planung meines Vortrags ging ich also davon aus, dass alle Anwesenden die aktuellen Diskussionen rund um das Thema verfolgen.

Dabei habe ich einen Aspekt vollkommen unterschätzt: Das Buzzwort Digitalisierung und Wissen darüber, was damit gemeint ist, sind bei Menschen unterschiedlich ausgeprägt. Diese Feststellung mag Teil des Phänomen Buzzword sei. Für mich ist dies Ausgangspunkt für weitere Überlegungen und Fragen:

Was heißt Digitalisierung 2017?

Anfang des Jahres habe ich die Webinarserie von Sitecore besucht. Tim Cole sprach dort über Marketing 3.0. Ich war verwundert, dass einer der Digitaltrends 2017 darin besteht, die Grundlagen des Onlinemarketings zu betonen. Das Webinar kann hier als Videoaufzeichnung verfolgt werden.

Damals war mir nicht sofort klar, warum dies so sein sollte. Meine Erwartungshaltung war eine Andere. Gleichzeitig war ich der festen Überzeugung, dass unser steigender Digital Readiness Index auch eine fortschreitende Digitalisierung besätigt. Dieser Eindruck verstärkte sich durch meine Beobachtung wie viele Unternehmen derzeit Fachkräfte für Themen wie Onlinemarketing zur Festanstellung suchen. Das – so schien es mir – sind gute Zeichen dafür, dass Unternehmen verstanden haben, was zu tun ist.

Tatsächlich stellt sich das Bild differenzierter dar. Das zeigten unterschiedliche Vorträge auf der hallo.digital. Ein gutes Beispiel dafür war der Beitrag der Nordsee-Zeitung Bremerhaven. Detailliert wurde dort anhand dieses Beispiels gezeigt, welche Grundlagen Digitalisierung benötigt: Es geht erstmal nicht um Technik oder Kompetenzen. Zunächst braucht es einen Plan, der auf einer genauen Kenntnis von Kunden und deren Bedürfnissen basiert.

Erst in einem weiteren Schritt geht es dann um konkremte Maßnahmen. Die Ausformung von Stellenprofilen steht übrigens als einer der nachgelagerten Schritte an. Zumächst gilt es, Organisation und Mindset zu formen, Projekte voranzutreben und Widerstände abzubauen.

Gerade für den letzten Punkt wurde den Zuhörern auf der hallo.digital ein Umstand deutlich: Digitalisierung bedeutet die Bereitschaft dazu zu haben, Fehler zu machen. Gerade für gestandene Führungskräfte ist dies keine Selbstverständlichkeit, etwas ihnen Bekanntes und von ihnen Beherrschtes neu zu erlernen.

Wie digital sind wir wirklich?

Dies führt mich gleich zu meiner nächsten Frage. Katja, Gründerin von Fräulein K sagt Ja, hat in ihrem Rückblick via Instagram Stories ihre Eindrücke geschildert. Für mich eine der Kernaussagen war: Würde man sich auf den kleinsten gemeinsamen Nenner einigen, wie man Menschen auf digitalem Weg erreichen möchte, so wäre das Whatsapp. Kein Facebook, kein Snapchat, kein Instagram – sondern ein Messenger. Leider war ich bei dem Vortrag, der diesen Gedanken formuliert hat, nicht anwesend, sodass ich hier nicht näher auf die Ideen des Speakers / der Speakerin eingehen kann.

Greift man sich diese These jedoch einmal heraus, muss man ihr zustimmen: Längst nicht alle Nutzer sind regelmässig in einem sozialen Netzwerk. Kommunikation findet wieder zwischen Menschen statt – und die persönlichste Form dessen ist WhatsApp. Was hat das jetzt mit den Widerständen zu tun?

Jeder Kanal besitzt seine eigene Form zur Kommunikation. Wer privat einige dieser Möglichkeiten nutzt, muss sich für den professionellen Einsatz im Unternehmen auf ein anderes Denken einlassen. Im Fokus steht der Nutzer und im Unterschied zu privaten Freunden ist jedes Unternehmen fremd. Katja hat dies in ihrem Vortrag zu Blogs als Vorteil aus Sicht von Unternehmen so formuliert: Menschen folgen Menschen. Deshalb sei es unvermeidbar Stellung zu beziehen. Dies geschiehe beispielsweise in einem Blog einfacher und authentischer als in anderen Kommunikationsformen, erklärte sie auf der hallo.digital.

Zurück zur Fehlerkultur bedeutet dies nun, dass ich in meinem Handwerk sehr gut sein kann. Ich werde jedoch durch das unmittelbare Feedback und die Nähe zu den Nutzern umdenken müssen, wenn ich mir überlege, wie ein Inhalt oder ein Angebot über die Website zu meinen Kunden gelangt. Den optimalen Weg wird nur derjenige / diejenige finden, dessen Bereitschaft zu Fehlern und Tests vorhanden ist. Wer nach einem Versuch den Kopf in den Sand steckt oder die internen Hürden für weitere Tests erhöht, erreicht das Gegenteil des gewünschten Ziels.

Wie groß ist die Schere zwischen Wissenschaft und Wirtschaft?

Das Gegenteil des Ziels erreichen nach Aytekin Celik auch derzeit die Wirtschaft. Seine Keynote zur Eröffnung ist mir gleich mehrfach im Sinn geblieben. Seine Betrachtungen schilderten die wissenschaftliche Sicht auf das Thema in all ihren Facetten. Mein Eindruck war jedoch, dass die Tragweite des Themenkomplexes Digitalisierung längst nicht jedem bewusst ist.

Natürlich bloggt man, ist bei Facebook angemeldet und nutzt WhatsApp. Es ist bequem, tut nicht weh und bietet eine Menge Vorteile. Genau das ist es, was Yvonne Hofstetter in ihren Veröffentlichungen kritisiert und mit dem Schlagwort der stillen Revolution charakterisiert: So werde Technik genutzt und nicht auf Basis einer Auseinandersetzung mit einem Benutzungsszenario belegt. Wir machen einfach und vergessen dabei das Handeln.

Genau darin besteht laut Celik die Gefahr: Überspitzt gesagt kann man die Aussage aus dem Leitartikel von Der Spiegel vom 01.04.2017 fortführen und danach fragen, wer die Welt eigentlich regiert. Folgt man den Ausüfhrungen von Celik und den Autoren von Der Spiegel, dann sind es einige wenige private Firmen. Sie experimentieren mit dem Mindestlohn, entwickeln künstliche Intelligenz weiter und bestimmen damit nachhaltig unser Leben.

Allein aus diesem Umstand heraus ergibt sich eine der Gefahren, die Hofstetter sieht: Wem gehören am Ende die so erhobenen Daten? Unternehmen nutzen sie heute, um Anwendungen zu verbessern. Was passiert aber in dem Moment, wo der Wegfall von IT Barrieren auch den Austausch der Daten zwischen Firmen möglich macht?

Ohne Ängste schüren zu wollen, zeigen diese unterschiedlichen Aspekte doch eins ganz klar: Eine Konferenz wie hallo.digital besitzt ihre Berechtigung. Allein deshalb kann ein Besuch im kommenden Jahr nur empfohlen werden.