Was mich aktuell beschäftigt

Influencer Marketing aus Sicht eines Unternehmers

Influencer Marketing erhitzt die Gemüter: Taugt es oder nicht? Welche Vorteile haben Unternehmen wirklich davon und wie viel Engagement müssen Unternehmer aktuell in das Marketing mit Personen investieren, die über digitale Reichweite verfügen – diese Fragen beantwortet mir Emanuel Ziegler, Gründer von Sportbionier. Das österreichische Unternehmen produziert biologisch, fair gehandeltes Protein, das frei von Zutaten ist. Die einfache Formel Molkepulver plus eine weitere Zutat wie beispielsweise Erdbeeren, Blaubeeren oder man sichert sich gleich die vegane Variante.

Sportbionier steht für und lebt Nachhaltigkeit in jedem Schritt des Handelns. Derzeit tun dies viele Firmen: Hältst du die Besinnung auf Nachhaltigkeit für einen Trend oder was macht für dich diese Ausrichtung vieler Unternehmen aus?

Ich hoffe sehr, dass dies nicht bloß ein Trend ist, sondern insgesamt wirklich zu einem breiten Umdenken in allen Enden und Ecken der Gesellschaft führt. Natürlich gibt es Unternehmen, die CSR Abteilungen „installieren“, um das eigene Image aufzuwerten. Entscheidend ist die Kombination aus der Intention der Unternehmensleitung und den tatsächlichen Handlungen. Neben manchen Initiativen, die wie ein Feigenblatt wirken, halte ich persönlich sehr viel von der Gemeinwohlökonomie und deren Auditierung. Ich selbst erstelle für mein Unternehmen gerade die erste „Gemeinwohl-Bilanz“, die von anderen Unternehmen peer-evaluiert wird. Ich war erstaunt wie umfangreich die Vorgaben sogar für Kleinunternehmen sind.

Dein Unternehmen erhält gerade im Sport viel Aufmerksamkeit. Im Marketing sorgt aktuell das Thema der Influencer für viel Gesprächsstoff: Wie gehst du selbst mit der Nachfrage beispielsweise von Menschen, die gern Markenbotschafter sein möchten, um?

Diese Welt ist für mich völlig neu. Irgendwie finde ich Begriffe wie „Influencer“ und „Ambassador“ negativ behaftet, weil ich das Gefühl habe, dass damit Grundsätzliches verdreht wird. Es ist doch ein riesiger Unterschied, ob ich jemanden aus Herzen etwas weiterempfehle und dann eventuell als Draufgabe auch etwas vergütet bekomme, oder ob ich jemanden NUR dann etwas weiterempfehle, WEIL ich etwas vergütet bekomme. Wir bekommen vor allem über Instagram laufend Anfragen wegen Produkttests von Menschen mit Tausenden von Followern. Ich versuche dann herauszufinden, ob die Person nur  gratis Produkte haben will oder ob sich die Person wirklich mit den Werten, die wir versuchen auszudrücken, auch identifizieren kann. Ich möchte keine Markenbotschafter haben, die sich nicht mit dem Produkt und unserer Philosophie identifizieren können.

Was ist dir bei der Auswahl von Markenbotschaftern wichtig: Hast du Kriterien nach denen du eine Auswahl triffst?

Ja, wie eben schon mitgeteilt versuche ich meistens in einem Email-Dialog herauszufinden, ob eine Identifikation vorhanden ist. Falls ja, schlage ich vor, dass sie die Produkte testen können. Nach einer Zeit von 4 bis 6 Wochen folgt dann ein persönliches Telefongespräch, um Feedback einzuholen und um abzuchecken, ob eine tiefergehende Kooperation Sinn macht.

Was ist aus deiner Erfahrung heraus das zeitaufwändiges Thema im Umgang mit Markenbotschaftern?

Da wir bisher kaum auf klassische Markenbotschafter gesetzt haben, ist der zeitliche Aufwand sehr überschaubar. Mit unseren SPORTBIONIER Athletinnen und Athleten versuche ich einen guten Kontakt aufzubauen, binde sie, wenn Interesse besteht, auch in interne Prozesse (u.a. Produktentwicklung)  mit ein und wenn die Möglichkeit besteht, arrangiere ich persönliche Treffen. Hier investiere ich gern Zeit. Ich bin immer wieder begeistert, welche Ansichten und Werte auch schon sehr junge Menschen konsequent leben. Das macht mir unglaublich große Freude und fühlt sich daher dann meistens auch nicht nach Arbeit an.

Ganz ehrlich: Welchen Anteil haben Markenbotschafter wirklich an deinem Erfolg?

Kann ich nicht sagen, da wir es bisher nicht „messen“. Die derzeit einzigen Markenbotschafter sind, bis auf ein paar wenige Ausnahmen (die gerade in letzter Zeit hinzu gekommen sind), unsere Athletinnen und Athleten. Hier setze ich auf Vertrauen und Dialog. Damit sich das Ganze unterm Strich ausgeht (also wirtschaftlich trägt), versuche ich die Menschen, die sich voll und ganz identifizieren können, zu Mitunternehmern zu machen. Dann sitzen wir tatsächlich im selben Boot und Interessenskonflikte werden systematisch vermieden. Für mich die ideale Form einer Win-Win-Situation.

Liebe Emanuel, vielen Dank für deine Zeit und deine ausführlichen Antworten. Wer mehr zum Thema Influencer Marketing erfahren möchte, kann sich dazu meine Arbeit für Rehband Deutschland ansehen. Einige Eindrücke gibt es beispielsweise auf Instagram.

Haben Sie Fragen oder Anmerkungen zum Thema Influencer Marketing? Dann kontaktieren Sie mich hier direkt. In der Regel beantworte ich Anfragen binnen von 24 Stunden.